Mit Kreativität Grenzen aufbrechen

Schnell wirft sich Aischa Sabbouh-Eggert noch den hellblauen Kittel um und zieht einen Mundschutz auf. Auf der Knochenmarktransplantations-Station (KMT) in der Klinik für Kinder-Onkologie (Universitätsklinikum Düsseldorf) gelten strenge Hygienevorschriften.

Jeden Dienstag besucht die bildende Künstlerin Sabbouh-Eggert mit einer Ehrenamtlerin bis zu drei Kinder und gestaltet eine bunte Bastel- und Malstunde. Heute sieht sie Corey. Der Fünfjährige ist für jeden Spaß zu haben, deswegen nimmt sie vorsorglich Buntstifte, Schere, Filz und Kleber mit. „Corey ist ein sehr aufgewecktes Kind und sehr kreativ“, sagt sie.

Willkommene Abwechslung für die Kleinen
Seit Juli 2016 leitet Sabbouh-Eggert das Projekt „Kunstworkshop für die Kinder der KMT-Station“ und bietet ihnen damit eine vielseitig, künstlerische Abwechslung zum Klinikalltag. Der kann für die kleinen Patienten mit sehr schweren Blutkrebserkrankungen sehr intensiv und medizinisch ausfallen: Vor der eigentlichen Transplantation werden die Reste der Krebserkrankung durch eine intensive Chemo- oder Strahlentherapie beseitigt. Erst dann werden die neuen gesunden Zellen gespendet und es beginnt das Warten auf das (An)Wachsen der Stammzellen. Umso willkommener ist jede kreative Ablenkung. Für Corey heißt Ablenkung heute ein Auto basteln. In den vergangenen Wochen hat die Künstlerin mit ihm schon einen Führerschein gebastelt, jetzt muss noch ein Auto her und so beginnen sie mit dem Ausschneiden eines Auto-Motivs aus blauem Filz.

Kreatives Potenzial trotz Krankheit entfalten
„Das Angebot von Krass e.V. kommt nicht nur bei unseren kleinen Patienten sehr gut an, sondern ist auch für die Eltern eine große Entlastung“, erklärt Stationsschwester Maria. In der Regel verbringen Kinder hier sechs bis acht Wochen, manche bleiben sogar länger. Während der Behandlung, wird eine transparente Wand im Zimmer der Kleinen aufgezogen, die sie vor jeglichen Keimen und Infektionen schützen soll. „Eben diese Grenzen zwischen Patienten und Außenwelt wollen wir mit Kreativität aufbrechen und dabei helfen, das kreative Potenzial trotz schwerer Krankheit zu entfalten“, betont Claudia Seidensticker-Fountis(Gründerin von Krass), die das Projekt im vergangenen Jahr initiierte.

Corey auf dem Weg der Besserung
Für Corey geht bald die transparente Schutzwand hoch und damit auch die erste Grenze zwischen ihm und der Außenwelt. Dann kann der Kleine, der sich inzwischen gut regeneriert hat, wieder auf den Gängen der Station flitzen. Wenn alles gut geht, darf Corey sogar an Weihnachten wieder nach Hause und dann gibt es bestimmt Nudeln und Chicken Nuggets, die isst Corey nämlich am liebsten.