Anders 3.0: Vielfalt künstlerisch in Szene gesetzt!

Für die Abschlussveranstaltung des integrativen Projektes „anders 3.0“ von KRASS e.V. verwandelte sich die Junge Aktionsbühne (JAB) im Haus der Jugend am vergangenen Samstag (12. Mai) in einen kulturellen Treffpunkt. Rund 30 Projektteilnehmer setzten sich drei Monate lang mit den Themen „Vielfalt“ und „Diversität“ auseinander. Entstanden ist dabei ein einzigartiges Kulturprogramm mit Kunstausstellung und Bühnenshow.

Vorzeigeprojekt für „gelebte Integration“
„Ich bin begeistert von dem Projekt“, schwärmt Sabine Fleischer, Projektleiterin der JAB (Haus der Jugend), und führt fort: „Selten werden Jugendliche mit und ohne Fluchterfahrung auf solch einer kreativen Plattform zusammengebracht“. Für Fleischer ist das KRASSe Angebot „anders“ ein Vorzeigeprojekt, wenn es um „gelebte Integration“ geht. Die Teilnehmer haben unterschiedliche Lebenswege, vielfältige Geschichten im Gepäck und bringen Fluchterfahrung mit. Kurz: Sie sind alle „anders“! Und wer anders ist, hat viel zu erzählen, zu zeigen und auszudrücken.

Davon konnten sich mehr als 100 Gäste selbst überzeugen. Die 14 bis 22-Jährigen präsentierten unter anderem eine Video-Performance, deutsch- und arabisch-sprachige Rap-Performances, eine Poetry-Performance, Zeichnungen, Grafittis, Gedichte, und einen Film über Freundschaft und Selbstverwirklichung.

Leidenschaftlicher Friseur und orientalische Klänge
Azad ist 14 Jahre alt und brennt für den Friseurberuf. Der Gesamtschüler unterstützte seinen älteren Bruder in dessen Friseurladen, bevor er mit seinen Eltern die Heimat im Irak verließ. Für ihn wurde in der Eingangshalle der JAB eine Barber-Ecke eingerichtet. Parallel zu seiner beeindruckenden Videoperformance auf der Leinwand ist Azad wieder leidenschaftlich am Frisieren und stellt seine Künste zur Schau. „Alle, die ich frisiert habe, waren sehr zufrieden“, so der 14-Jährige. Roujin brachte sich mit ihrem musikalischen Talent in “anders” ein. Die Bouzouki-Performance der 15-jährigen Syrerin entführte das Publikum in die Welt der orientalischen Klänge.

Talentierter Poet kritisiert Lehrer
Zartosht ist ein Meister der Worte. Was ihn bewegt, vor allem, was ihn stört, bringt er mit Gedichten gekonnt auf den Punkt. So auch der Umgang mit Gedichten im Schulunterricht. Seinen Unmut bringt er wie folgt zum Ausdruck: “Mann, was ist daran so schwer/ Gedichte zu erklär’n / Ohne Köpfe zu beschweren? / man muss doch nur Freiheit gewähren, / die Gedichte selbst zu verstehen / sie mit eigenen Augen zu sehen. Sollte sich an der Vermittlung von Gedichten in der Schule nichts ändern, attestiert der junge Poet ihnen ein trauriges Ende: Gedichte werden schon sehr bald ruh’n / sollten wir da weiter auf unsere Lehrer hören.

„Freunde müssen sich gegenseitig auffangen“
Auch die Schüler Laurin, Lukas, Kilian und Manuel brachten das, was sie beschäftigt und bewegt auf den Punkt und drehten einen Film. Das Werk besticht besonders durch seine autobiographischen Züge. So verarbeiten die Jugendlichen die Themen Träume und Selbstverwirklichung, aber auch Freundschaft und Verlust des besten Freundes. „Freunde müssen sich gegenseitig auffangen und sich darin bestärken an sich und seine Talente zu glauben“, so das Film-Team von anders. Bereits in der zweiten Runde hatten sich Kilian und Manuel gesellschaftskritisch mit dem Thema Konsumgesellschaft auseinandergesetzt und viel Lob erhalten. „Unser zweiter Film ist deutlich besser, als der erste“, stellten die besten Freunde fest. Sie wünschen die Fortsetzung des Projektes und versichern: Unser nächster Film wird auch wieder viel besser”, so die jungen Filmemacher.

Teilnehmer leuchten auf der Bühne
Glücklich und zufrieden sind an diesem Abend aber nicht nur die Projektteilnehmer, sondern auch KRASS-Gründerin Claudia Seidensticker-Fountis, die sowohl Projektteilnehmer, als auch die künstlerischen Leiter Barbara Rückert und Jason Firchow lobt. „Wenn an diesem Abend alle Teilnehmer auf der Bühne leuchten, dann haben die künstlerischen Leiter die KRASSe Vision super umgesetzt und das Beste aus den Kindern und Jugendlichen herausgeholt. Das macht mich sehr stolz“, so Seidensticker.