Die Welt entdecken und eigene Spuren hinterlassen!

Wenn der Gruppenraum der Flüchtlingsunterkunft an der Meineckestraße jeden Mittwoch aufgeschlossen wird, betreten Kinder und Jugendliche zwischen drei und 16 Jahren eine kreative Welt. Und in der hinterlassen sie ihre Spuren!

Eigene Impulse mitbringen
Heute soll es um Karneval gehen und entstehen sollen bunte Masken. Das notwendige Material für das KRASSe Kreativangebot hat Mareike van Elsbergen, künstlerische Leiterin des Projektes, mitgebracht. Seit Ende 2016 leitet die Diplomkunsttherapeutin gemeinsam mit Sibel Durmaz das Angebot für Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung. Beide eint der Wunsch, Kinder mit Kunst und Kultur in Verbindung zu bringen und gleichzeitig einen Raum der Begegnung zu schaffen. Die Teilnehmer sollen ihre eigenen Impulse mitbringen und mittels unterschiedlicher Materialien ihre eigenen Spuren hinterlassen: „In der Kindheit kann man das am besten, denn da ist man neugierig und frei von den Einschränkungen der Erwachsenenwelt“, stellt Mareike fest.

Austausch steht im Vordergrund
„Manchmal ist das Angebot auch eine Möglichkeit für die Teilnehmer, sich mit den Praktikanten über Dinge auszutauschen, die sie beschäftigen“, erklärt Sibel Durmaz. Die Kindheitspädagogin ist von der ersten Stunde an dabei gewesen und hat viele Kinder auf ihrer kreativen Reise begleitet: „Teilweise waren die Kinder am Anfang sehr ruhig und in sich gekehrt.“ Heute wird sie von diesen Kindern mit herzlichen Umarmungen geradezu überschüttet. So auch ihre Tochter. Belgin Durmaz hätte an ihrem ersten Tag in der Unterkunft nicht gedacht, dass sie so lange bleiben würde. Inzwischen engagiert sich die 14-Jährige seit über einem Jahr an der Meineckestraße. „Es ist ein schönes Gefühl zu sehen, wie sehr sich die Kinder auf einen freuen“, erklärt die Gymnasiastin, der die Kinder sehr ans Herz gewachsen sind.

Kindern helfen, die ein neues Leben beginnen
Dajana Deckers fand den Weg zum KRASSen Kreativangebot über ein Sozialpraktikum. Seit mehreren Monaten unterstützt sie das KRASSe Team und hat für sich entschlossen: „Nach dem Praktikum, werde ich hier ehrenamtlich einsteigen.“ Auf die Frage, warum sie ihr Praktikum in einer Flüchtlingsunterkunft absolviert, entgegnet die 15-jährige nach kurzem Innehalten mit der Begründung: „Ich wollte den Kindern helfen, die in Deutschland ein neues Leben beginnen.“

Kostüme stehen schon bereit
Sümeyye* ist eines dieser Kinder. Seit vier Jahren lebt sie mit ihren Eltern und Geschwistern in Deutschland. Für sie ist das Angebot von KRASS e.V. eine Möglichkeit „coole Sachen zu machen“. Aufgefallen ist Sümeyye den Kursleitern durch ihre Lebhaftigkeit. Die Viertklässlerin hat sich schnell eingebracht und hilft neuen Teilnehmern bei Sprachbarrieren. Eine Karnevalsmaske hat sie heute nicht gebastelt, was nicht heißen soll, dass sie Karneval nicht feiert. Ihre Kostüme stehen bereit, nur entscheiden kann sich sie sich noch nicht ganz, „entweder gehe ich als Tiger oder Hexe“, erklärt sie. In der nächsten Woche wird sie Belgin davon berichten – soviel steht fest!

*Name von der Redaktion geändert