Im HirschburgFORUM war erneut Claudia Seidensticker zu Gast. Im Interview mit der Gründerin des Vereins KRASS e.V. ging es um die Frage, wie kulturelle Bildung Kinder und Jugendliche nachhaltig stärkt und neue Perspektiven eröffnet. Im Gespräch machte Claudia Seidensticker deutlich, dass kulturelle Bildung weit über klassische Kunstvermittlung hinausgeht. Der Verein setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer sozialen oder finanziellen Situation Zugang zu Kunst, Kreativität und kultureller Teilhabe zu ermöglichen. Hier können Sie das Interview in voller Länge lesen: HirschburgFORUM
Langfristige Begleitung statt kurzfristige Förderung
Im Mittelpunkt der Arbeit steht dabei ein klarer Leitgedanke: Kinder sollen nicht nur kurzfristig gefördert, sondern langfristig begleitet werden. Statt punktueller Projekte entstehen kontinuierliche Angebote, die sich über Jahre erstrecken und den Kindern ermöglichen, Vertrauen, Ausdrucksfähigkeit und Selbstbewusstsein zu entwickeln. Besonders wichtig ist dabei der niedrigschwellige Zugang – auch direkt in Lebensräumen wie Stadtteilen oder Flüchtlingsunterkünften, wo Künstlerinnen und Künstler regelmäßig kreative Materialien und Impulse mitbringen.
Kunst als Schlüssel zur Persönlichkeitsentwicklung
Ein zentrales Anliegen von KRASS ist die Überzeugung, dass Kunst ein Schlüssel zur Persönlichkeitsentwicklung ist. Kinder lernen durch kreative Prozesse nicht nur gestalterische Techniken, sondern auch Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, ihre Lebenswelt kritisch zu reflektieren. Kunst wird dabei als Ausdrucksform verstanden, die es ermöglicht, innere Bilder sichtbar zu machen und Erlebnisse zu verarbeiten. „Beim Malen bauen Kinder eine Brücke von innen nach außen“ – dieser Gedanke zieht sich als Leitmotiv durch die Arbeit des Vereins.
Wirkung braucht Zeit!
Besonders betont Claudia Seidensticker, dass Wirkung Zeit braucht. Einzelne Workshops reichen nicht aus, um nachhaltige Veränderungen zu bewirken. Entscheidend ist die kontinuierliche Begleitung, durch die Kinder lernen, ihre eigene Stimme zu finden. Ein Beispiel aus der Praxis zeigt diese Entwicklung eindrücklich: Ein Mädchen, das zunächst die Schule verweigerte, fand über ihre außergewöhnliche Begabung im Malen neue Perspektiven und erhielt später ein Stipendium – heute studiert sie Grafikdesign.
Betonung des mobilen Ansatzes: „Wenn die Kinder nicht zu uns kommen, gehen wir zu ihnen“
Auch der mobile Ansatz des Vereins spielt eine wichtige Rolle. Nach dem Grundsatz „Wenn die Kinder nicht zu uns kommen, gehen wir zu ihnen“ schafft KRASS kreative Räume dort, wo Kinder leben und aufwachsen. Ergänzt werden die Angebote durch Ausflüge in Museen, Theater oder Ballett, die kulturelle Erfahrungen unmittelbar zugänglich machen.
Mehr Bildungsgerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe
Claudia Seidensticker betont in dem Interviews, dass kulturelle Bildung in vielen Familien keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Gerade weil Kunst- und Kulturangebote oft mit Kosten verbunden sind, entstehen früh soziale Unterschiede im Zugang zu Bildung. KRASS versteht seine Arbeit deshalb auch als Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe.
Auf die Frage, was sie selbst antreibt, betont Claudia Seidensticker vor allem Kontinuität und die sichtbare Wirkung der Arbeit. Ihre Haltung ist dabei geprägt von Pragmatismus und Ausdauer: nicht große Visionen stehen im Vordergrund, sondern tägliches, verlässliches Handeln.
Am Ende steht eine klare Botschaft: Kreatives Denken bedeutet auch kreatives Handeln. Und vielleicht, so der Impuls aus dem Gespräch, könnten wir von Kindern lernen, den Blick wieder stärker auf das Positive zu richten und dankbarer wahrzunehmen, was bereits vorhanden ist.
Über das HirschburgFORUM
Das HirschburgFORUM versteht sich als Plattform für Dialog, Vernetzung und gesellschaftliches Engagement. Menschen aus Stiftungen, Vereinen, Unternehmen und gemeinnützigen Initiativen kommen hier zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und gemeinsam neue Impulse für das Gemeinwohl zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen Begegnungen, Gespräche und Projekte, die Verantwortung, gesellschaftliche Teilhabe und nachhaltige Wirkung fördern. Das Leitmotiv des Forums lautet „Gemeinsam. Menschlich. Leben.“ und spiegelt den Anspruch wider, Menschen und Ideen für eine lebenswerte Gesellschaft miteinander zu verbinden.

